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KURFÜRSTEN CARRÉE

Wohnen mit Service & Betreuung mitten in der Stadt

Ansicht der Wohnanlage

Die Geschichte des Hauses

Die Geschichte der Behlertstraße 29

Otto Rudolf Salvisberg
Architekt
Otto Rudolf Salvisberg

Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete der Seidenfabrikant Stieff auf diesem Grundstück, direkt neben dem Palais Lichtenau gelegen, eine Seidenfabrik.
Im Jahre 1831 wurde Seidenspinnerei Pignol & Heiland gegründet. Diese Firma zog in das noch heute in seiner Grundstruktur erhaltene Fabrikgebäude Behlertstraße 29 ein. 1850 ließ die Firma im östlichen Teil Wohnungen errichten. Mit zunehmender Industrialisierung benötigte man mehr Platz für neue Anlagen. Dazu sind 1910 im 2. Obergeschoss tragende Wände durch eine Eisenkonstruktion ersetzt worden. Dadurch entstand ein großer freier Raum. Ferner wurde einige Jahre später die Decke zwischen dem 2. Obergeschoss und dem Dachgeschoss entfernt, um höhere Webstühle aufstellen zu können.
1925 wechselte das Grundstück den Besitzer. Die Käuferin war die Pharmazeutische Fabrik Taeschner, welche bis dato ihren Sitz in Berlin-Charlottenburg hatte. Die Fa. Taeschner beauftragte noch im selbem Jahr den namhaften Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg zusammen mit C. P. Baumgarten mit dem Umbau der Seidenfabrik zu einer Pharmazeutischen Fabrik. Sie sollte der Herstellung des Hustenmittels „Pertussin“ dienen, welches aus Thymian hergestellt wurde (und heute noch immer unter gleichem Namen erhältlich ist).
1926 erhielten alle Fenster geputzte Faschen (farblich abgesetzte Umrandung) und wurden durch Sprossen gegliedert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis 1951 weiter durch die Firma Taeschner und danach unter VEB-Bedingungen "Pertusssin" hergestellt.
Ab 1971 übernahm der VEB Präzisionsschlösser die Gebäude. Die Wohnräume im östlichen Teil des Gebäudes wurden zu diesem Zeitpunkt noch als solche genutzt. Später wurden sie dann zu Büroräumen umfunktioniert. Bis Ende 2005 wurde das Gebäude von der Nachfolgefirma, der BAB-Ikon Zylinderschlösser genutzt.

Gebäudeansicht

Im Inneren des Gebäudes kann man heute noch sehr gut die Struktur der Umbauten und Erweiterungen aus den 20er Jahren erkennen. Türen, Fenster, die wertvollen Holzfußböden und Stuckaturen in den ehemaligen Wohnungen sind in großen Teilen erhalten, des Weiteren ein Kamin sowie die Geländerläufe der Treppenhäuser. Lediglich neue Farbfassungen oder aufgebrachte Bodenbeläge verdecken originale Farbgebungen oder Materialien. Oblag die Anordnung und Gestaltung der Baukörper Salvisberg, so lässt sich in den Innenräumen eine andere Handschrift ablesen. Diese wurden durch Richard Hansen geplant, der für das Büro Salvisberg der bauleitende Architekt war.

Von Richard Hansen stammt der größte Teil der Detailplanung (Türaufrisse, Wandschränke, Kamin, Ornamente, Parkett). Dabei lassen sich genauso moderne, orientalische, aber auch "deutsch-tümelnde" Elemente erkennen. Das Gebäude hat gleichermaßen einen künstlerischen, geschichtlichen, städtebaulichen als auch kulturhistorischen Wert. Es handelt sich um ein fast authentisch erhaltenes „Bauwerk der Moderne“ in Potsdam. Alt und Neu bilden hier eine gelungene Einheit und legen Zeugnis ab von dem qualitativ hochwertigen Stand der Architektur der 20er Jahre. Ferner wurde dieses Gebäude mit O. R. Salvisberg von einem der wichtigsten Vertreter der Moderne der 20er und 30er Jahre umgebaut und erweitert.

Die damalige Direktorin Maria Dobroschke, geb. Taeschner, veranstaltete nach dem Krieg häufig in diesem Gebäude kulturelle und philosophische Treffen. Zum Beispiel hielt der Philosoph Oftfried Eberz mehrere Vorträge, der oftmals im Gleichklang mit Paul Valéry, Adalbert Stifter und Friedrich Nietzsche genannt wird.